Bevor ich mit ungefähr 12 oder 13 Jahren meine erste eigene Kamera zum Geburtstag geschenkt bekam, durfte ich, vor allem in den sommerlichen Familienurlauben, die Kamera meines Vaters benutzen. Einige Dia-Kästen voll mit schiefen und unterbelichteten Fotos zeugen noch immer von meinen ersten fotografischen Gehversuchen.
Meinem Vater bin ich sehr dankbar, dass er mich damals einfach hat machen lassen. Aber nicht nur das, er erklärte mir und meinen Geschwistern geduldig, was es mit der Blende und dem komischen Kürzel ISO 100 auf den Filmen auf sich hatte.
Viele Jahre und einige Kameras später nahm ich die Möglichkeit eines einwöchigen Praktikums bei Andreas Thumm in Freiburg wahr. Nach einigen Jahren aufreibender Selbständigkeit wollte ich etwas anderes machen und vermietete meine ehemaligen Geschäftsräume nach aufwändiger Umgestaltung als Fotoatelier an Andreas. Allerdings nicht ohne Hintergedanken. Für einige seiner besonderen Anforderungen an den Ausbau machte ich zur Bedingung, dass er mich eine Woche als Assistent mit zu seinem nächsten Job ins Tessin mitnahm. Andreas war mit meiner Arbeit zufrieden und sah mein Interesse an der Fotografie. Von da an durfte ich mit dem renommierten Freiburger Food-Fotografen einiges erleben und vor allem sehr viel von ihm lernen.
In meiner Zeit als Assistent standen nicht nur Shootings im Studio an: eine aufwändige Reportage zur Neueröffnung eines feinen Landgasthauses im Kaiserstuhl, drei Wochen in den Küchen der V-Zug oder bei eisigen Temperaturen Plätzchen im Schnee fotografieren sind nur Beispiele. Ich assistierte im Restaurant von Rolf Caviezel, filmte im Wohnzimmer vom Grill-Ueli und durfte in der Küche von Erica Bänziger meine erste eigene Food-Reportage für ein Kochbuch erstellen.
Geboren wurde ich 1980 in Freiburg und habe dort den größten Teil meines Lebens verbracht. Nach der Schule habe ich eine handwerkliche Ausbildung absolviert und später eine weitere als Kaufmann für Groß- und Außenhandel. Es folgten die technische Fachhochschulreife und einige Jahre Selbständigkeit. 2013 habe ich mich dann mit der Fotografie selbständig gemacht
Heute lebe ich mit meiner Familie am nördlichen Kaiserstuhl und bin glücklicher Papa von zwei wunderbaren Kindern.
Eigentlich fotografiere ich fast alles gerne, solange ein tolles Bild dabei herauskommt. Ich liebe Reportagen oder auch mich in einem Studio einzuschließen und stundenlang an einem Produktfoto herumzubasteln. Allerdings sind Musik und Essen Themen, die mich persönlich ganz besonders begeistern. Und ich denke, dass man sich darauf konzentrieren sollte.
Ich koche und esse wahnsinnig gerne. Das Essen klappt inzwischen meist ganz gut, beim Kochen lerne ich noch dazu. Außerdem ist dieser Zweig der Fotografie der erste und eigentliche, bei dem ich als Assistent am Meisten gelernt habe.
Musik ist eine meiner anderen Leidenschaften (ich habe eine Menge CDs und auch noch Schallplatten und eine super altmodische Stereoanlage). Bevor mir meine Familie meine gesamte Freizeit "geraubt" hat, habe ich für eine kleine Band in Freiburg Lieder geschrieben und dort als Schlagzeuger gespielt.
Vor einiger Zeit habe ich Simone angeboten, neue Fotos für die Website ihres Restaurants zu machen. Simone gehört ein kleines Gasthaus am Kaiserstuhl und wir kennen uns schon ein paar Jahre. Sie hat vorerst dankend abgelehnt und zwar mit der Begründung, dass sie „das alles“ lieber authentisch mag.
Darüber musste ich viel nachdenken. Wir hatten uns bis dahin zwar noch nicht über das berufliche weiter ausgetauscht; wenn ich als Food-Fotograf aber mit „nicht authentisch“ gleichgesetzt werde, ist das, wie ich finde, ein schlechtes Zeichen.
Ich möchte hier nicht weiter ausholen, der Werbe-Industrie verallgemeinernd die Schuld geben oder über KI schimpfen. Aber ich kann sagen, wie ich gerne arbeite: Das Essen, das ich fotografiere, kann man nach dem Shooting auch futtern (manchmal ist es nicht mehr richtig warm, aber meistens ist es noch genießbar). Und die Drinks, die ich fotografiere, kann man nach dem Shooting auch trinken (wenn ich mehrere Anläufe für das endgültige Foto brauche, kann das auch mal kritisch werden…).
Mit Sicherheit wird es auch einmal Ausnahmen geben, aber grundsätzlich möchte ich echtes Essen und Trinken authentisch fotografieren; ich verwende keinen Kleber, Farbstoffe, Haarspray oder Sprühlacke. Dafür muss ich (und meine Kunden) die ein oder andere Imperfektion hinnehmen.
Dies führt mich zum nächsten Punkt, der meine fotografische Arbeit angeht. Auch hier könnte stundenlang diskutiert und Für und Wider erörtert werden. Selbstverständlich bearbeite ich meine Fotos, um das bestmögliche Ergebnis herauszuholen. Ich verändere eine ganze Menge Parameter, retuschiere Staubkörner und ähnliches weg und verwende hierfür auch KI-Tools, wie sie zum Beispiel Lightroom zur Verfügung stellt.
Da ich mich aber als Fotograf verstehe, baue ich nicht verschiedene Bestandteile verschiedener Fotos zusammen, nur weil ich das handwerklich nicht in einem Foto hinbekomme. Genauso wenig nutze ich KI um „Fotos“ zu erstellen, denn das sind dann eben keine „Fotos“. Photoshop nutze ich hauptsächlich um Schriften in Fotos einzufügen oder wenn ich Texturen verwende.
Ich habe nichts gegen die Verwendung dieser Werkzeuge, im Gegenteil, ich bewundere die Fähigkeiten derer, die wissen wie man sie richtig anwendet. Wogegen ich etwas habe, ist, diese Ergebnisse als Fotos zu präsentieren. Dafür mag ich die „authentische“ Fotografie zu sehr.
Vielleicht hätte ich das Simone vorher sagen sollen.
DAVID DIETZ - PHOTODESIGN